Klaus Heuser - Gitarre

Klaus Heuser – Gitarre

Der 1957 in Leverkusen geborene Klaus Heuser hatte schon als kleiner Junge nur den einen Wunsch: Gitarre zu spielen. Mit 10 Jahren bekam er endlich seine erste heißersehnte Gitarre und war fortan damit beschäftigt, neben einer klassischen Ausbildung, die Musik seiner Vorbilder nachzueifern. Die Beatmusik der 60, später dann Rory Gallagher und Peter Green vor allem aber Eric Clapton hatten es ihm angetan. Nach diversen eigenen Bands stieß er 1979 zu einer bis dahin eher unbekannten Band Namens BAP und erlebte dort nicht nur die Geburt seines Spitznamens MAJOR, sondern auch eine schier unglaubliche Erfolgsgeschichte.

Viele seiner Kompositionen avancierten zu wahren Klassikern der deutschen Rockmusik. Sein Persönlicher Gitarrenstil und seine besondere Virtuosität machen ihn bis heute zu einem der bekanntesten und beliebtesten deutschen Gitarristen. Nach fast 20 Jahren und weit über 6 Millionen verkaufter Tonträger verließ er die Gruppe BAP 1999 und arbeitete seitdem vornehmlich als Produzent, Komponist und Solokünstler.

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Biografie Diskografie

 

Biografie

Klaus „Major“ Heuser

Man weiß es ja nicht? Vielleicht wäre er Architekt geworden, wie sein Vater und hätte Schulen gebaut oder Villen oder sonst was Nützliches. Vielleicht wäre er aber auch Lehrer geworden, da er sich für Germanistik und Musik eingeschrieben hatte, und würde heute angehende Abiturienten mit Goethe, Schiller, Grass und Frisch quälen. Doch – wie das Schicksal so spielt – er wurde Musiker, Gitarrist, Komponist und Produzent. Nicht irgendeiner im Heer der Namenlosen , die nach Ruhm und Ehre streben. Er wurde einer der Besten seines Faches: Klaus “Major“ Heuser, geboren am 27. Januar 1957 in Leverkusen als drittes Kind von Jochen und Liesel Heuser.

Im Heuser-Haushalt gab es vier Geschwister und man verdankt es dem älteren, musikbegeisterten Bruder und dessen großer Plattensammlung, dass Klein-Klaus sich mit dem Rock´n´Roll-Virus infizierte: Beatles, Stones, Kinks, etc.. Ein Virus, das selbst elterliche Gegenmaßnahmen unbeschadet überstand, weil es in immer neuen Formen auftrat und gegen jede Art von „Hör-doch-endlich-auf-mit-der-Negermusik!“ resistent war. Wie so viele andere in unserer Generation überstand Klaus zwei Jahre Blockflötenunterricht und die Versuche ihn mit „Es waren zwei Königskinder“ zu begeistern. Im Alter von zehn Jahren bekam er endlich die heiß ersehnte erste Gitarre.

„ Es klingt vielleicht kitschig, aber es ist wahr. Nachdem ich das erste Mal die Stones und die Beatles gehört hatte, war mir klar: Ich wollte Gitarre spielen und so sein wie sie!“
Die waren gerade dabei, die Nachkriegswelt bunt anzustreichen und ihr das zu geben, was man heute gemeinhin als Popkultur bezeichnet. Kleine großartige Songs, die alles verändern sollten: das Gefüge der Generationen, unseren Blick aufs Vaterland, Natur und Gesellschaft, das Miteinander von Jung und Alt, die Einteilung musikalischer Arbeiten in E und U. Klaus erhielt in Ermangelung von Lehrern, die Pop, Rock oder Jazz vermitteln konnten, klassischen Gitarrenunterricht. So kam es zu der Liebe, die bis heute anhält und aus Klaus Heuser auch einen ernstzunehmenden klassischen Gitarristen machte: Bach, Guilliani, Sor. Manchmal, während man sich mit ihm unterhält, spielt er eine dieser Etüden mit kompliziertem Fingersatz. Und es klingt so einfach, so, wie es halt klingen soll, so, als könnte man ein solches Stück gar nicht verhunzen.

1969 – die 68er Revolution hatte die Gesellschaft erschüttert, Studenten demonstrierten, Dutschke hielt flammende Reden, die Stones veröffentlichten LET IT BLEED – gründete Heuser seine erste eigene Band, “The Blue Guitars“. Er war 12 Jahre jung. Es folgten zahlreiche andere Bands und zahlreiche Diskussionen am Abendbrottisch über die Länge der Haare – das war unser Kampf gegen das Establishment: „Geh zum Frisör, Junge!“, „Wie siehst Du nur wieder aus!“, „Was sollen bloß die Nachbarn…!“ Anfang der Siebziger, die musikalische Restauration hatte eingesetzt, Art- und Progressive-Rock und Bands wie Yes, Genesis und Ekseption waren angesagt – spielte Heuser in einer Band namens „Ensemble“. Alles wurde staatstragender, länger, komplizierter. Aber das gehörte ebenso zu seiner musikalischen Früherziehung wie Kraan, Epitaph, Hölderlin oder Golden Earring, Cream (mit seinem großen Vorbild Eric Clapton) und Rory Gallagher.
Es waren da die Jazz-Rock-Experimente von Vertretern wie John McLaughlin und seinem Mahavishnu Orchestra, die Virtuosität ins Zentrum ihres musikalischen Handelns stellten. Der fingerflinke Al di Meola mit seinen spanischen Anwandlungen, der unübertroffene Paco de Lucia – gibt es einen Gitarristen aus dieser Zeit, der das 1983 veröffentlichte „Friday Night in San Francisco“ nicht besitzt?
Klaus Heuser war 17, als er bei einer Coverband einstieg: Top Ten hieß das Stichwort. Es wurde gespielt, was in den Charts ganz oben war: Smokie, Bee Gees, Santana, Phillysound. So lernt man, wie es geht: Strumming, hoch gezüchtetes Single-Note-Spiel, rhythmische Licks, Power-Riffs. Viermal pro Woche von acht bis eins in irgendwelchen Kaschemmen und du weißt, wie es geht. Zuhause übte Heuser auch weiterhin klassische Gitarre, aber davon machte man zu dieser Zeit kein Aufhebens.
„ Der positive Nebeneffekt dieser Jobs war: Man konnte sich mit dem Geld, das man verdiente, das amtliche Equipment kaufen. Die richtigen Gitarren, die besten Verstärker.“

Nur wenn man einen Combi bis unters Dach mit Marshal Amps und Gitarren-Equipment voll packen konnte, gehörte man dazu. Gitarristen sind Junkies. Materialbesessenheit gehört zu ihrem Metier wie das Gerede über Reifen bei der Formel Eins. Inzwischen schreiben wir das Jahr 1976. Abitur, Ersatzdienst in einem Altenheim, der Ernst des Lebens. Die Diskussionen zu Hause über die Berufswahl nehmen kein Ende. Dabei ist eigentlich längst alles klar. Doch Eltern sorgen sich, das ist ihre gottverdammte Pflicht.
Und weil sie andere Lebenskonzepte nicht kennen, gehen sie den Weg des geringsten Widerstandes: Vater Architekt, Sohn Architekt. Passt doch! Aber Klaus, inzwischen neben seinen Jobs bei diversen Tanzcombos auch als Gitarrenlehrer tätig, schließt einen Pakt mit seinen Eltern: ´Gebt mir ein Jahr, wenn ich es dann nicht geschafft habe, okay, dann werde ich halt…!´ Heuser immatrikuliert sich in den Fächern Musik und Germanistik. Eigentlich spielt er Gitarre in diversen Rockbands und wartet. Wartet auf die richtige Chance, die sich – wie wir alle wissen – am Pissoir eines gewissen „Basement“,einem Rockkeller in der Kölner Innenstadt in Person eines Wolfgang Niedecken zeigte. Die Pinkelszene ist Rockgeschichte. Kennt jeder, der den BAP-Grundkurs gemacht hat. Hier begann die Zusammenarbeit zwischen dem intellektuellen Südstadt-Dylan, der eigentlich Maler ist, und dem Gitarrist aus Leverkusen, der große Rocksongs schreiben will. Hier begann, was sich als Spannungsfeld im Rock´n´Roll schon so oft bewährt hatte: Zwei, die nicht ohne einander können, aber auch nicht so richtig miteinander: Lennon/McCartney, Jagger/Richards. Reibung, Friktion – das ist die beste Nährboden für Rock´n´Roll.

1980 stieg Heuser bei BAP ein, einer Combo, die damals noch kleine Konzerte in Köln gab, gegen den Abriss des Stollwerck – Geländes, gegen Atomkraft, gegen was weiß denn ich… Mit dem Eintritt von Heuser wurde BAP musikalisch das, was wir heute kennen. Seine Expertise, seine Besessenheit, sein musikalischer Verstand machte aus einer Südstadt-Combo mit einem Singer-Songwriter wie Niedecken eine Band von nationalem Format. Heuser kannte die Wirkung brachialer Riffs, guter, eingängiger Songs, großer Sounds.
Niedecken trieb die Sau durchs Dorf und protestierte hinterm Mikro und Heuser verpackte seine Texte in eine Musik, die auch außerhalb Kölns Gehör finden musste. Die erste BAP-Platte „..ROCKT ANDERE KÖLSCHE LEEDER“ war 1979 bei Eigelstein erschienen. Die Musik: charmant, aber skizzenhaft. Mit Heusers Eintritt wurden die Karten neu gemischt. Er war zuständig für die Musik, Niedecken für die Texte.

AFFETAUT (1980) – aufgenommen in der Schweiz – zeigte den Weg den BAP einschlagen würde: international ausgerichteter Rock-Sound, kölscher Zungenschlag und eine Band, die überall spielte, wo eine Steckdose war. Mit wahrem Bienenfleiß trugen BAP ihre kölsche Kunde in die Mehrzweckhallen der Republik. Nach Mayen in die Eifel ebenso wie nach Flensburg oder Donaueschingen. Und was kaum einer für möglich gehalten hatte, wurde bald Gewissheit. Das Kölner Septett, die Band mit dem sozialen Gewissen, deren Frontmann gerne als Betroffenheitsapostel verunglimpft wurde, avancierte zu einer Band von nationalem Rang. Ein Thema von Norden bis Süden. Es war, als habe man einen Stein ins Wasser geworfen, der immer weitere Kreise zog. Und obwohl eigentlich eine Albumband und gar nicht so recht fürs Radio geeignet, warfen die BAP-Platten auch Hits ab.Das ist Heusers Verdienst. „Ne schöne Jross“, „Verdamp lang her“, „Kristallnaach“, „Alles em Lot“, und viele mehr – Klaus stellte die wortgewaltigen Texte von Wolfgang in opulente Rock-Kathedralen, machte den grüblerischen Reflektionen Dampf und grundierte die Nachdenklichkeit des Texters mit Rock-Riffs, die schon nach dem ersten Takt für Beifall sorgten und die jeder Nachwuchs-gitarrist nachzuspielen versuchte. Kein Wunder, dass Major – diesen Mittelnamen hatte er inzwischen während einer Tournee (abgeleitet von Major Healey aus der TV-Serie „Bezaubernde Jeannie“) bekommen – mehrmals zum besten Gitarristen Deutschlands gekürt wurde. Die Gitarrenpolizei stand bei BAP-Konzerten so wie so immer ganz vorne und schaute dem Perfektionisten auf die flinken Finger.
Mit schöner Regelmäßigkeit veröffentlichten BAP Jahr für Jahr ein Album: „FÜR UZZESCHNIGGE“ (1981), „VUN DRINNE NOH DRUSSE“ (1982), „BESS DEMNÄHX –LIVE“ (1983), „ZWESCHE SALZJEBÄCK UN BIER“ (1984). Die Fan-Gemeinde wuchs, die Verkaufszahlen kletterten in ungeahnte Höhen. Vielfache Gold- und Platinauszeichnungen folgten.

Anlässlich der „Band für Afrika“-Produktion lernte Klaus den Produzenten Mack kennen, einen Mann, der mit Queen, ELO oder den Rolling Stones gearbeitet hatte und international einen wohlklingenden Namen hatte. Außerdem war Mack ebenso wie Heuser ein besessener Perfektionist, ein Sound-Junkie. Mack, der bei dem BAP-Werk „AHL MÄNNER, AALGLATT“ (1986) hinterm Pult saß, hatte auf einen Songschreiber wie Heuser nur gewartet. Der konnte von ihm das Produktionshandwerk lernen und er konnte von seinen Songideen profitieren. Während Niedecken mit SCHLAGZEITEN einen Soloausflug unternahm, um von der Band abgelehnte Songs zu realisieren, arbeitete Heuser als Mack-Assistent in Los Angeles, wohnte im Haus von Queen-Trommler Roger Taylor, lernte zahlreiche namhafte Musiker kennen und wäre sicherlich dort geblieben, wenn es nicht BAP gegeben hätte. Der Grund, warum zwischen AHL MÄNNER und DA CAPO (19 89) drei Jahre lagen, war u.a. dieser Heuser-Ausflug nach L.A.
L.A. hatte den Menschen und den Musiker verändert. Aus dem Gitarristen, der freiwillig/unfreiwillig die Produktionskontrolle übernommen hatte, war ein vollgültiger Produzent geworden.
„ Eigentlich war vorgesehen, dass ich auf der zweiten Solo-LP von Freddie Mercury Gitarre spiele, aber dann verlor er seinen Kampf gegen Aids. Ich fuhr nach Köln zurück und begann die in den USA entworfenen Songs für Da CAPO zu produzieren.“ Dieses Album erschien 1989 und markierte einen Wendepunkt in der Zusammenarbeit der BAP-Mitglieder. Schmal malte das aufwendige Cover, Major hatte – nach der Lehrzeit bei Mack und mit dem ausdrücklichen Einverständnis aller – den Produzentensessel im Brüsseler ICP Studio inne. Wieder stammten, abgesehen von einem Dave Davies-Cover alle Songs aus der Feder von Major. Erst bei X FÜR´E U (1991) steuerten Effendi u.a. eigene Songideen bei. Eigentlich sah es nach Konsolidierung aus: AFFROCKE – LIVE (1991), PIK SIBBE (1993) und die Hitkompilation WAHNSINN (1995). Dann, vor den Aufnahmen zu AMERIKA (1996), verließen zwei alt gediente BAP-ler die Band, Perkussionist Manfred Schmal Boecker und Bassist Stephan Steff Kriegeskorte, und auch Klaus flirtete mit dem Gedanken, sich selbständig zu machen.

Zwischenzeitlich hatte er das erste Brings-Album produziert, darauf die Hits „Katharina“ und „Nur mer zwei“. Brings wurden als „Beste Newcomer-Band“ des Jahres auserkoren. 1992 folgte KASALLA; Brings-Album Nummer zwei, Produzent: Klaus Heuser. 1997 folgte FÜNF, die dritte Zusammenarbeit mit der Kölner „A-Jugend“, wie Niedecken Brings gerne nannte. Major blieb vorerst bei BAP, aber in seinem Kopf reifte der Gedanke, sich eine Wirkungsstätte als Produzent zu schaffen: ein eigenes Studio. Kurz vor Weihnachten 1998 informierte Klaus Wolfgang von seinem geplanten Ausstieg. COMICS & PIN UPS war fertig gestellt, erschien 1999, Major machte die Tour noch mit und absolvierte in Koblenz sein letztes Konzert. Das Kapitel BAP war für Klaus Major Heuser vorüber.

Die Post-BAP-Zeit war mit Arbeit ausgefüllt: Heuser produzierte den Schweizer Sänger/Schauspieler Martin Schenkel, dessen Album MY OWN WAY im Jahre 2000 erschien und von den Eidgenossen zum „Besten Rockalbum der Schweiz“ gekürt wurde. Aus der mit großer Vorfreude geplanten zweiten Zusammenarbeit Schenkel / Heuser wurde leider nichts. Martin Schenkel verstarb im März 2003 an einem Gehirntumor.

Klaus Heuser produzierte fürs Fernsehen und nutzte jede freie Minute um sein Gitarrenspiel zu perfektionieren.

Heuser schreibt Songs und plant ein Soloalbum. Doch immer kommt irgendetwas dazwischen. Irgendwann erhält er das Demoband einer Berliner Combo. Er lehnt ab. Ein Jahr später steht Susanne, die Sängerin der Band, vor seiner Tür und möchte gerne den Grund für die Ablehnung erfahren.
Aus der Begegnung erwächst das Album MAJOR & SUZAN, das Mitte 2005 fertig war und am 17. Februar 2006 erschien.

Fotos: privat, Stefan Worring (1), Detlef Krentscher (1)

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